Wer regelmäßig reitet, verbringt viele Stunden im Freien. Frühmorgens beim Longieren, mittags beim Ausritt, nachmittags beim Turnier. Die UV-Belastung summiert sich über die Saison auf ein Maß, das viele Reiterinnen unterschätzen. Dabei ist die Kombination aus direkter Sonneneinstrahlung, Wind und gelegentlichem Schwitzen eine echte Herausforderung für die Haut.
UV-Strahlung im Freien: Was wirklich auf die Haut einwirkt
UV-Licht besteht aus UVA- und UVB-Anteilen. UVB-Strahlen verursachen den sichtbaren Sonnenbrand, UVA-Strahlen dringen tiefer ins Gewebe ein und beschleunigen die Hautalterung. Der UV-Index gibt an, wie stark die sonnenbrandwirksame Strahlung an einem bestimmten Tag ist. In Mitteleuropa erreicht er zwischen April und September regelmäßig Werte von 7 und höher, was als hoch eingestuft wird und einen effektiven Lichtschutzfaktor von mindestens 30 erfordert.
Für Reiterinnen kommt ein zusätzlicher Faktor hinzu: Reflexion. Auf hellen Sandböden, Wasseroberflächen in der Nähe oder schneebedeckten Winterweiden wird UV-Strahlung zurückgeworfen. Das erhöht die tatsächliche Gesamtbelastung spürbar, ohne dass man es unmittelbar bemerkt.
Warum Standard-Sonnencreme beim Reiten oft nicht ausreicht
Viele Produkte des Massenmarkts sind auf Strandnutzung ausgelegt. Beim Reiten gelten andere Bedingungen: Schweißbildung durch körperliche Anstrengung, Wind, der Creme schneller austrocknen lässt, und der direkte Kontakt mit Helm, Rückenprotektor oder Halstuch, der Produkte mechanisch abreibt. Eine Sonnencreme mit LSF 50, die nach 90 Minuten vollständig abgerieben ist, schützt nicht.
Sinnvoller sind Produkte mit mineralischen Filtern (Zinkoxid, Titandioxid), die wasserresistenter sind und auch bei Schweiß stabiler bleiben als rein chemische Filter. Wichtig ist außerdem die Nachauftragung. Die Empfehlung lautet, alle zwei Stunden nachzucremen, was in der Praxis bedeutet: In der Mittagspause kurz am Stall nachcremen, bevor es in die zweite Trainingseinheit geht.
Pflegeroutine für aktive Reiterinnen
Eine Routine muss realistisch sein. Wer um 6 Uhr auf dem Hof steht, wird kein aufwendiges Zehn-Schritte-Programm durchhalten. Das Grundprinzip ist simpel: reinigen, schützen, regenerieren.
- Morgens: Gesicht mit einem milden, sulfatfreien Reiniger waschen. Danach eine leichte Feuchtigkeitscreme auftragen, die mit UV-Schutz kombiniert ist, oder Sonnencreme direkt als Abschlussschritt vor dem Raussgehen nutzen.
- Während der Aktivität: Alle zwei Stunden Sonnenschutz erneuern. Kompaktstäbe oder Sonnenschutz-Sprays eignen sich für die Hosentasche und funktionieren ohne Wasserhahn.
- Abends: Gründliche Reinigung, um Schmutz, Schweiß und Produktreste zu entfernen. Danach eine nährende Creme oder Serum, die die nächtliche Regeneration unterstützt. Retinol-Produkte oder Vitamin-C-Seren passen in diesen Schritt, sollten aber nicht am Morgen vor dem Sonnenkontakt genutzt werden.
Im Pferdesport ist es außerdem üblich, lange Ärmel und Reitleggings aus UV-Schutzgewebe zu tragen, was die exponierte Hautfläche deutlich reduziert und die Pflege vereinfacht.
Häufige Fehler und wie man sie vermeidet
Ein klassischer Fehler ist das selektive Eincremen. Stirn und Nase werden bedacht, Ohren, Nacken und der Bereich unter dem Kinn nicht. Gerade der Nacken ist beim Reiten dauerhaft der Sonne ausgesetzt, weil der Helm ihn nicht abdeckt. Dasselbe gilt für die Handrücken, die im Sattel nach oben zeigen.
Ein weiterer Fehler ist das Verzichten auf Sonnenschutz bei bewölktem Himmel. Bis zu 80 Prozent der UV-Strahlung durchdringen geschlossene Wolkendecken. Das Bundesamt für Strahlenschutz empfiehlt deshalb, UV-Schutz auch an bedeckten Tagen von April bis September zu nutzen, wenn man länger im Freien ist.
Lippenpflege nicht vergessen
Die Lippen haben keine Melanozyten und können sich nicht bräunen. Sie sind damit besonders anfällig für UV-Schäden. Ein Lippenpflegestift mit LSF 30 oder höher gehört in jede Reittasche. Er schützt nicht nur vor Sonnenschäden, sondern auch vor dem Austrocknen durch Wind.
Hauttyp, Alter und individuelle Empfindlichkeit
Nicht jede Haut reagiert gleich. Sehr helle Haut (Fitzpatrick-Typen I und II) verbrennt innerhalb von 10 bis 15 Minuten ungeschützt, dunkle Haut hat einen höheren natürlichen Schutz, ist aber nicht immun gegen UV-Schäden. Mit zunehmendem Alter regeneriert die Haut langsamer, die Feuchtigkeitsspeicherung nimmt ab, und erste Pigmentflecken entstehen oft dort, wo jahrelang unzureichend geschützt wurde.
Wer regelmäßig neue oder veränderte Pigmentflecken bemerkt, sollte einen Dermatologen aufsuchen. Die Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften stellt Leitlinien zur Früherkennung von Hautveränderungen bereit, die zeigen, welche Merkmale ärztliche Kontrolle notwendig machen. Veränderungen in Form, Farbe oder Größe eines Muttermals sind klare Signale.
Fazit: Weniger aufwendig als gedacht
Hautpflege für Reiterinnen muss keine komplexe Wissenschaft sein. Drei Prioritäten reichen aus: täglichen UV-Schutz mit ausreichendem Lichtschutzfaktor nutzen, nachcremen statt einmalig eincremen, und abends sorgfältig reinigen. Wer diese drei Punkte konsequent umsetzt, schützt seine Haut langfristig, ohne viel Zeit dafür zu brauchen. Der Aufwand am Morgen beträgt kaum fünf Minuten, der Effekt über Jahre ist spürbar.
